Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

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Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Marc Stenzel » 07.07.07 09:30



Präzise: Wie groß ist die Bedrohung der westlichen Welt durch Netzwerke islamistischer radikal-militanter Gruppen?

Da diese zahlenmäßige Betrachtung auch die vielen Opfer des 9/11 einbeziehen sollte, rechne ich alle Angaben prinzipiell auf den Zeitraum 2001 - 2006 (6 Jahre) hoch.

Zunächst einmal ein paar nüchterne Zahlen für Deutschland:

Todesfälle insgesamt: 4.909.626
Todesfälle durch Selbstmord: 64.398
Todesfälle durch alkoholbedingte Lebererkrankungen: 61.692
Todesfälle durch Transportmittel: 36.522
Todesfälle durch Ertrinken: 2.406
Todesfälle durch häusliche Unfälle: 37.572
Todesfälle durch Sport- und Spielunfälle: 954
Todesfälle durch Sturz von Leitern: 744
Todesfälle durch Stolpern: 1.818
Todesfälle durch Mangelernährung: 846
Todesfälle durch Fremdkörper in den Atemwegen: 7.332
Todesfälle durch Arzneimittel und Drogen: 13.218
Todesfälle durch tätliche Angriffe: 3.156
Todesfälle durch Al Kaida (s.o.): 0

Erhebungsbasis: Todesursachen in Deutschland 2004, Statistisches Bundesamt
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Marc Stenzel » 07.07.07 09:44



Ich weiß nicht ob es für die EU auch solche Statistiken gibt. Wenn ich jedoch die obigen Zahlen gemäß der Einwohnerzahl der EU (ca. 500 Mio.) hochrechne (D = ca. 82 Mio.), dann ergibt sich folgendes Bild:


Todesfälle insgesamt: 29.936.743
Todesfälle durch Selbstmord: 392.670
Todesfälle durch alkoholbedingte Lebererkrankungen: 376.170
Todesfälle durch Transportmittel: 222.695
Todesfälle durch Ertrinken: 14.670
Todesfälle durch häusliche Unfälle: 229.097
Todesfälle durch Sport- und Spielunfälle: 5.817
Todesfälle durch Sturz von Leitern: 4.536
Todesfälle durch Stolpern: 11.085
Todesfälle durch Mangelernährung: 5.158
Todesfälle durch Fremdkörper in den Atemwegen: 44.707
Todesfälle durch Arzneimittel und Drogen: 80.597
Todesfälle durch tätliche Angriffe: 19.243
Todesfälle durch Al Kaida (s.o.): 247
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Marc Stenzel » 07.07.07 10:05



Der Begriff "westliche Welt" ist zahlenmäßig nicht sehr klar. Die EU, die USA, Kanada und Australien haben ca. 850 Mio. Einwohner, ich gehe im folgenden mal von 1 Mia. Einwohner aus. Wenn ich die obigen Zahlen auf diese Weise hochrechne, dann ergibt sich folgendes Bild:


Todesfälle insgesamt: 60 Millionen
Todesfälle durch Selbstmord: 785.340
Todesfälle durch alkoholbedingte Lebererkrankungen: 734.340
Todesfälle durch Transportmittel: 445.390
Todesfälle durch Ertrinken: 29.340
Todesfälle durch häusliche Unfälle: 458.194
Todesfälle durch Sport- und Spielunfälle: 11.634
Todesfälle durch Sturz von Leitern: 9.072
Todesfälle durch Stolpern: 22.170
Todesfälle durch Mangelernährung: 10.316
Todesfälle durch Fremdkörper in den Atemwegen: 89.414
Todesfälle durch Arzneimittel und Drogen: 161.194
Todesfälle durch tätliche Angriffe: 38.485
Todesfälle durch Al Kaida (s.o.): 3.226*

* Ich konnte insgesamt drei Anschläge mit Todesopfern in der westlichen Welt ausmachen: 9/11, Madrid 2004, London 2005. Habe ich etwas vergessen?

Nochmals zu den Zahlen: Alle o.g. Zahlen sind hochgerechnet für 2001-2006 (6 Jahre), und zwar aus den Angaben des Statistischen Bundesamtes für Deutschland 2004. Die Zahlen bez. der Todesfälle durch Al Kaida sind jedoch absolut angegeben.
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Bissiger Regenwurm » 08.07.07 20:35



es ist richtig, dass du die Zahlen aufführst, denn dadurch wird erst klar wie absurd die ganze Sicherheitsdebatte ist und welches unnützen Mittel dafür aufgewendet werden, wo doch von so vielen anderen Stellen wirklich Gefahr droht. Bruce Schneier hat dafür den schönen Begriff "Security Theater" in seinem Buch verwendet und zu Recht.

Das eigentliche Problem lässt sich aber mit Fakten nicht fassen, sondern findet auf der psychologischen Ebene statt. Al Quaida als vielköpfige Hydra mit dem Potential überall und zu jeder Zeit zuzuschlagen (so die Medien), erzeugt ein gewisses Unwohlsein bei der Bevölkerung, weil es jetzt mit der Gefahr umgehen muss, die es nicht erkennen und noch gar nicht in ihrem AUsmaßen abschätzen kann; siehe Londen und Madrid. Das einzige was man weiß ist, dass es sich bei den Attentätern um ein paar "Fehlgleitete" (vorsicht Zynismus) einer Religionsgemeinschaft handelt, die sich zum Teil aktive an der Geselschaft beteiligen und von ihr assimiliert zu sein scheinen; siehe Attentäter von 9.11.

Mit Zahlen wird man da nicht weit kommen, weil es einen essentiellen Punkt unseres Bewusstseins ankratzt, nämlich den des Überlebensinstinkts und den der Unversehrtheit. Jetzt fragt mich bitte nicht wie ich es anders machen möchte, aber man sollte immer bedenken, dass es sich bei dieser Bedrohung um ein Medienspaktakel handelt und Aufklärung und weniger reißerische Berichterstattung, ebenso wie Belehrungen über das Verhalten im Falle eines Terroranschlages halte ich für sinnvoll hinsichtlich der Aufklärung und Vorbereitung der Gesellschaft auf den "Worse Case"; siehe das Verhalten der Londoner nach dem Anschlag auf die U-Bahnen: ruhiges Verhlaten ohne jegliche Form der Panik!
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Amandla » 08.07.07 21:54



Ich finde die Zahlen auch sehr interessant, dennoch glaube, ich dass sie bei der Mehrheit der Leute nichts bewirken. Schließlich ist die Bedrohung durch Terrorismus in Deutscladn bisher eine rein psychologische Angelegenheit die auf tiefsten menschlichen Ängsten aufbaut. Und die lassen sich meiner Meinung nicht einfach mit Zahlen beseitigen. Deshalb haben Schäuble und Co. bisher auch so ein einfaches Spiel in diesem Land.

Meine Erfahrung in den letzten Tagen war, dass die meisten Menschen lieber ihren PC durchsuchen lassen, als sich weiter vor einem terroristischen Anschlag zu fürchten. Schließlich sei die Al-Kaida da, das hätte man in NYC, Madrid und London zur genüge gesehen. :-|
Und das waren alles Menschen, die sonst eigentlich zu rationalen Gedankengängen fähig sind.
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Bissiger Regenwurm » 08.07.07 22:50



Amandla hat geschrieben:Ich finde die Zahlen auch sehr interessant, dennoch glaube, ich dass sie bei der Mehrheit der Leute nichts bewirken. Schließlich ist die Bedrohung durch Terrorismus in Deutscladn bisher eine rein psychologische Angelegenheit die auf tiefsten menschlichen Ängsten aufbaut. Und die lassen sich meiner Meinung nicht einfach mit Zahlen beseitigen. Deshalb haben Schäuble und Co. bisher auch so ein einfaches Spiel in diesem Land.

Meine Erfahrung in den letzten Tagen war, dass die meisten Menschen lieber ihren PC durchsuchen lassen, als sich weiter vor einem terroristischen Anschlag zu fürchten. Schließlich sei die Al-Kaida da, das hätte man in NYC, Madrid und London zur genüge gesehen. :-|
Und das waren alles Menschen, die sonst eigentlich zu rationalen Gedankengängen fähig sind.

Ich finde das auch schade, dass das Thema nicht mehr Resonanz in den Medien und der Gesellschaft findet. Es geht ja nicht um irgendetwas sondern letztlich darum wie wir zukünftig bereit sind mit unseren Daten umzugehen und wie viel wir bereit sind dem Staat davon zur Verfügung zu stellen.
Man behalte die ""Patzer"" bei der Bundeswehr und in Sachsen einmal im Hintergrund, ebenso die nette Aktion Polizeiberichte im Internet zu veröffentlichen, und stelle sich dann vor was passieren würde, wären über den BT gesammelten Daten dann frei verfügbar... nicht auszudenken. Es mangelt an Schulung im Bereich der Sicherheit in den Behörden im Umgang mit sensiblen Daten, ebenso wie es an Verständnis bei den Politikern hinsichtlich von Computern hapert; http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25656/1.html
Den Leuten soll ich meine Daten anvertrauen? Nie und nimmer.
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Marc Stenzel » 11.07.07 08:45



Bissiger Regenwurm hat geschrieben:Mit Zahlen wird man da nicht weit kommen

Nur mit Zahlen können wir die tatsächliche Gefährdung abschätzen - wie sonst? Und nur auf diese Weise wird sichtbar, welche Panikmache betrieben wird, um unter dem Vorwand der Terrorgefahr die ungeliebten Freiheitsrechte in den westlichen Demokratien zu beschneiden.

Kaum jemand macht sich ernsthafte Sorgen, dass er auf der Straße stolpern und sich das Genick brechen könnte. Tatsächlich ist aber in Europa dieses Risiko rund 44 mal so hoch, wie das, Opfer eines Terroranschlags zu werden. Wegen letzterem sind unsere Bürger aber anscheinend freiwillig bereit, auf alle Freiheitsrechte zu verzichten. Diesen Zustand kann man nur mit Hysterie bzw. Paranoia bezeichnen.
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Amandla » 11.07.07 08:54



Die Zahlen sind sicherlich ein Mittel, um das ganze Thema zu relativieren. Aber solange diese nicht mit Emotionen und Leben gefüllt werden, wird es keine Sau interessieren. Deswegen sind soviele schwachsinnigen Sendungen wie DSDS, Big Brother & Co. so erfolgreich. Dort gibt es zwar gar keinen Inhalt dafür umso mehr Emotionen. Unsere Gesellschaft möchte nicht denken, sondern fühlen. Und zwar am besten das, was andere empfinden, damit man vom eigenen Leben nichts mehr mitbekommt.

Sagt euch der Begriff Bollywoodfilm was?
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Marc Stenzel » 11.07.07 09:02



By the way: Jede dieser Gefährdungen lässt sich auch als Verkürzung unserer mittleren Lebenserwartung ausdrücken. Beispielsweise gibt es die Aussage, dass die freiwillige Entscheidung zu rauchen die durchschnittliche Lebenserwartung um etwa 3 Jahre senkt. Wenn man das entsprechend auf die o.g. Risiken umrechnen würde, ergäbe sich, dass der islamistische radikal-militante Terror unsere mittlere Lebenserwartung um wenige Sekunden oder allenfalls Minuten verkürzt und es wirklich wichtigere Risiken gibt, um die wir uns kümmern sollten, wenn wir um unser Leben besorgt sind.

Leider kann ich diese Umrechnungen nicht fundiert vornehmen, bzw. mir fehlt eine zuverlässige Zahlenbasis dafür. Falls jemandem so etwas über den Weg läuft, wäre ich für einen Hinweis dankbar.
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Re: Wie groß ist die Gefahr durch al-Qaida?

Beitragvon Amandla » 11.07.07 09:11



Das ist schon alles richtig. Aber jemand, der ANGST davor hat, dass ihm bei der morgendlichen Pendelei eine Bombe um die Ohren fliegen könnten, ist es herzlich egal, dass statistisch betrachtet sein Leben damit nur um wenige Sekunden verkürzt würde/wurde. :-|

Insofern sind die Zahlen sicherlich ein gutes Mittel um Politiker etc. anzusprechen, um ihnen die Absurdität einer Schäuble-Argumentationskette (falls es sowas überhaupt gibt) vor Augen zu führen. Aber um die Bevölkerung zu erreichen, muss das ganze ziemlich aufgepeppt werden. :thinking:
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